12.-17. Jahrhundert
Zwischen dem 12. und dem 17. Jahrhundert stieg das Osmanische Reich zur Weltmacht auf. Wirtschaftlich wurde es vom Lehnswesen, später auch von Kriegsgewinnen und Tributzahlungen unterworfener Staaten getragen. Die Herrschaft der Osmanen fußte auf dem Militär einerseits und dem Islam andererseits. Es war nahezu unmöglich, Karriere zu machen und Land zu erwerben, ohne dass man beim Militär gedient hatte. Besonders die Janitscharen genossen dabei große Wertschätzung. Kein Wunder: die Elitetruppe der Infanterie war auch als Leibwache des Sultans bekannt und Mitglieder konnten in die höchsten Positionen im Staatswesen aufsteigen. Trotzdem war es nach heutigen Maßstäben nicht sehr erstrebenswert, zur Janitscharen-Truppe berufen zu werden. In der Regel rekrutierte man Jungen im Alter zwischen 7 und 14 Jahren, vorrangig Christen aus besetzten europäischen Gebieten, und brachte sie zur Erziehung und Ausbildung ins Osmanische Reich. Rechtlich gesehen hatten diese Elitesoldaten den Status eines Sklaven, wenn auch eines Sklaven des Sultans.
Nachdem osmanische Herrscher im 15. Jahrhundert den Titel Kalif und damit die direkte Nachfolge des Propheten Mohammed für sich beanspruchten, verfügten sie auch über die religiöse Macht im Land (was ihnen in gewisser Weise auch richterliche Macht gab, da man sich in der Rechtsprechung nach dem Islam richtete). Interessanterweise verfügten jüdische und christliche Gruppen über Sonderstellungen: die Glaubensgemeinschaften konnten selbstständig über ihre Angelegenheiten entscheiden, ihre Würdenträger waren auch unter den osmanischen Würdenträgern respektiert und geachtet. Diese Politik war für in Europa verfolgte Minderheiten ein regelrechter Segen: sie alle fanden Zuflucht in diesem relativ toleranten System.
Während das osmanische Reich die wichtigsten Handelsrouten zwischen Europa und Asien bzw. dem Orient und in den Bereichen des Schwarzen Meeres und Mittelmeeres kontrollierte, eroberten seine Truppen weitere Gebiete in Asien, Afrika und Europa. Das 16. Jahrhundert war einerseits geprägt durch große Schlachten wie beispielsweise um Mohács (Ungarn), Wien, Mesopotamien oder Zypern - andererseits kam es unter Süleyman dem Prächtigen auch zu einer Förderung der Rechtsprechung, Kunst, Kultur und Wissenschaft wie unter keinem anderen osmanischen Herrscher zuvor. Süleyman der Prächtige hatte sich seinen Namen übrigens redlich verdient: prächtige Moscheen wurden in seiner Regierungszeit erbaut, er selbst widmete sich gern der Poesie und dem ausschweifenden Leben im Topkapi-Palast, von dem auch heute noch Wandreliefs und Malereien aus dieser Zeit zeugen.
Das luxuriöse Hofleben war es auch, das neben teuren Kriegen die Staatskasse stark belastete. Wie so oft in dieser Situation entschied sich auch der osmanische Herrscher dazu, Ländereien zu verkaufen, mehr Steuern zu erheben, Zinsen für Pachtland zu erhöhen usw. Damit zog er sich natürlich den Unmut der Bevölkerung zu, es kam zu Aufständen in der Bevölkerung. Gepaart mit einigen aussichtlosen, aber teuren und verlustreichen Feldzügen auch nach dem Tod Süleyman des Prächtigen läutete diese Entwicklung den Niedergang des osmanischen Riesenreiches ein.
