18.-20. Jahrhundert

Wie auch die Jahrhunderte zuvor waren das 18. bis 20. Jahrhundert von Kriegen und blutigen Auseinandersetzungen geprägt. Das Reich der Osmanen hatte alle Mühe, sich trotz seines Niederganges außenpolitisch zu behaupten. Immer weiter wurde es aus Europa zurückgedrängt, immer wieder bedrohten russische Truppen die Landesgrenzen am Schwarzen Meer und auf der Krim. Seine Weltmachtstellung verlor das osmanische Reich endgültig mit seiner Niederlage im russisch-türkischen Krieg (1768-1774).



Aber nicht nur von außen drohte Gefahr: innenpolitisch waren sich die Janitscharen ihrer wichtigen Stellung bewusst geworden und versuchten Anfang des 19. Jahrhunderts, mittels Aufständen und Putschversuchen ihren Wunschkandidaten auf den osmanischen Thron zu befördern, was ihnen nur knapp misslang. Der unflexible, riesige Verwaltungsapparat gepaart mit Feudalismus und Militarismus lähmten das Land zusehends - es konnte mit der einsetzenden Industrialisierung und Modernisierung der europäischen Staaten nicht mithalten. Aufgrund neuer Handelsrouten verlor das osmanische Reich mehr und mehr an Bedeutung, Imperialismus und von europäischen Staaten unterstützte Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Landesteile schwächsten es zusätzlich. Die Folge waren erbitterte Machtkämpfe sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik des Landes.

Türkei

Erste, aber wenig erfolgreiche Reformversuche gab es bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Selim III. Erst Mahmud II. gelang es, unter Ausschaltung der Janitscharen Reformen für die Verwaltung, die Justiz und den Bildungsbereich durchzusetzen. In der sich anschließenden Tanzimat-Reformperiode wurde der zukünftige Regierungssitz, der Dolmabahçe-Palast, erbaut, die Verwaltung verwestlicht, das bürgerliche Gesetzbuch eingeführt und eine Verfassung verabschiedet, die ein Parlament vorsah. Auswirkungen hatten die Reformen aber auch auf die Stützpfeiler des osmanischen Reiches, das Militär und den Islam. Die Modernisierung und Zentralisierung des Staates beseitigte jedoch nicht die eigentlichen Ursachen der Probleme: die Verelendung der Massen und die durch zu niedrige Zölle hervorgerufenen ökonomischen Probleme einheimischer Produzenten. Nicht nur die Bevölkerung verarmte immer mehr, auch den Staat selbst ereilte dieses Schicksal: 1875 war das osmanische Reich bankrott und zerfiel. Während der Nationalismus vor allem im Militär wuchs und die jungtürkische Bewegung im Untergrund an der Etablierung eines großtürkischen Nationalstaates arbeitete, verlor der Staat noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer weitere Teile seines Staatsgebietes.