Atatürk

Keine Veranstaltung, kein Büro, kein Fest, wo man nicht auf sein Konterfei trifft, keine Stadt, keine Gemeinde, kein Dorf, das nicht wenigstens eine Büste oder gar ein Denkmal des berühmtesten aller Türken sein oder ihr eigen nennt: Atatürk ist einfach überall. Der "Vater der Türken" wird auch heute noch verehrt und geliebt wie kein zweiter. Selbst im ersten Satz der türkischen Verfassung trifft man auf ihn. Da heißt es dann: "Im Einklang mit dem Konzept des Nationalismus und den Reformen und Prinzipien Atatürks, des Gründers der Türkischen Republik, des unsterblichen Führers und unvergleichlichen Helden […]".

Will man sich als Tourist oder Zugereister näher über die Marke Atatürk - der Name wurde Mustafa Kemal 1934 von der Nationalversammlung verliehen und ist gesetzlich geschützt wie eine Marke - informieren, gibt es im ganzen Land mehr als genug Bücher, DVDs, Lehrfilme, Museen usw. Ganz egal ob man sich für seine philosophischen Ansichten oder seine Leibspeise interessiert: zu jedem Atatürk-relevanten Thema gibt es mit Sicherheit Literatur oder eine Ausstellung. Auch allerlei Kurioses ist über den türkischen Übervater mit dem stets erhobenen Zeigefinger bekannt. Beispielsweise seine Vorliebe für Raki und Hüte nach westlicher Mode. Oder dass Tafelrunden mit ihm wörtlich zu nehmen waren: bei jedem Essen mit Gästen stellte er die Bildung seiner Gäste auf die Probe und nicht selten stand neben der Tafel mit Speisen eine Schiefertafel, die einzig dazu diente, das Gesagte zu verdeutlichen und verschiedene Standpunkte darzustellen. Auch der eine oder andere Witz kursiert über Atatürk - aber wagen Sie es sich als Ausländer nie, diese Witze zu erzählen! Über den Gründervater lacht man schließlich nicht, schon gar kein Ausländer. Dass es die Türken ernst mit ihrer Verehrung meinen, erkennt man beispielsweise an den obligatorisch vorhandenen Atatürk-Portraits in öffentlichen Gebäuden wie Behörden und Schulen oder daran, dass stehen gebliebene Uhren in der Türkei immer auf den Zeitpunkt des Todes von Mustafa Kemal gestellt werden. Zu seinen Leibspeisen zählten übrigens Omelett und Honigmelonen.

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