Byzantinisches Reich und Seldschuken

In der Spätantike gehörte Kleinasien zum Oströmischen Reich, das aus dem ehemals großen und mächtigen römischen Reich hervorgegangen war. Bis ins 4. Jahrhundert hinein stand die heutige Türkei zu großen Teilen noch unter römischer Herrschaft. In dieser Zeit gewann eine neue Glaubensrichtung immer mehr an Bedeutung: das Christentum. Seine Anfänge sind beispielsweise in einigen Höhlenkirchen in Kappadokien dokumentiert. Im Jahr 380 wurde die junge Religion sogar zur Staatsreligion erhoben, Mittelpunkt der Ostkirche war Konstantinopel. Konstantinopel, das heutige Istanbul, wurde noch zu römischen Zeiten als Gegengewicht zum starken Rom als "Neues Rom" aufgebaut und bald zur Hauptstadt des Byzantinischen Reiches.



Das byzantinische Reich erstreckte sich in anfangs über die arabische Halbinsel bis nach Nordafrika, umfasste später aber lediglich Kleinasien und den Balkan. Es bestand bis zum 15. Jahrhundert und war in dieser Zeit mehreren Völkerwanderungen und Angriffen der unterschiedlichsten Volksgruppen wie beispielsweise der Perser, Hunnen, Goten, Germanen oder Araber ausgesetzt. Übrigens: das bis heute mehr oder weniger angespannte Verhältnis zwischen der Türkei und Armenien hat seinen Ursprung in dieser Zeit. Das armenische Gebiet war als erster christlicher Staat der Welt über Jahrhunderte zwischen Byzanz und Persien umkämpft. Endgültig unterworfen wurde es im 11. Jahrhundert mit dem Einfall der Seldschuken. Das letzte armenische Königreich, das zwischen 10. und 14. Jahrhundert zwischen Taurusgebirge und Mittelmeerküste existierte, ging im 14. Jahrhundert unter, die Armenier verloren auf immer ihr ursprüngliches Staatsgebiet.

Türkei

Bis zum 11. Jahrhundert lebten vor allem Armenier, Hethiter, Griechen und Römer im Gebiet der heutigen Türkei. Dann jedoch fielen verschiedene islamische Turkstämme in Anatolien ein, allen voran die Seldschuken. Dieser islamisierte Stamm eroberte große Gebiete von Ost- und Mittelanatolien, nachdem er bereits aus Usbekistan kommend Teile von Afghanistan und Persien besetzt hatte. Die Seldschuken waren es, die vom Niedergang des Byzantinischen Reiches am meisten profitierten: sie bauten in Anatolien ein eigenes Reich mit der Hauptstadt Konya auf, das Sultanat Rum. Dieses Sultanat wurde neben dem schon bestehenden Sultanat Bagdad errichtet und erreichte seine Blütezeit etwa im 13. Jahrhundert. Als die Mongolen in der Mitte des 13. Jahrhunderts das seldschukische Reich überfielen und in seiner Macht schwächten, war das für einige türkische Stämme das Signal zur Unabhängigkeit. Immer mehr Fürstentümer entstanden, unter ihnen auch das Fürstentum der Osmanen. Dieser nomadische Stamm gelangte in relativ kurzer Zeit zu immer mehr Macht und erklärte sich 1299 als unabhängig vom Sultanat Rum. Der Aufstieg der Osmanen begann und gipfelte in der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453, verbunden mit der offiziellen Machtübernahme in Kleinasien.