Hagia Sofia

Im dritten und vierten Jahrhundert n. Chr. gewann eine Glaubensrichtung immer mehr an Bedeutung in Kleinasien: das Christentum. Im Byzantinischen Reich stieg es sogar zur Staatsreligion auf. Mittelpunkt des geistlichen Lebens von Byzanz war die Kirche der göttlichen Weisheit, die rot leuchtende Hagia Sofia. In direkter Nachbarschaft zur Blauen Moschee und dem Topkapi-Palast gelegen beeindrucken allein schon ihre monumentale Größe und ihre massiven Mauern.



Zwei Vorgängerbauten brannten nieder und kurz nach Beendigung des Baus drohte die Kuppel einzustürzen, aber seit 562 steht die Hagia Sofia mit leicht veränderter und stabiler Kuppel nun schon und lockt Gläubige und Staunende aus aller Welt in die Stadt am Goldenen Horn. In nur fünf Jahren Bauzeit wurde die Krönungskirche der byzantinischen Kaiser erschaffen, die ihre rötliche Farbe ihren Ziegeln verdankt. Während der Herrschaft der Osmanen wurde aus der orthodoxen Sofienkirche die Moschee Ayasofya, die Hauptmoschee der Osmanen. Im osmanischen Reich wurde Ayasofya durch vier Minarette erweitert, der Innenraum verändert.

Wer heute das Museum Ayasofya durch eines der an sich schon beeindruckenden Seitenschiffe betritt, ist schier überwältigt in Anbetracht dieser unglaublichen Dimensionen und Schönheit. Den besten Blick hat man jedoch von der Empore, die sowohl zu byzantinischen als auch zu osmanischen Zeiten ausschließlich den Frauen vorbehalten war. Hier findet man auch die wunderbaren, golden glänzenden Mosaike, die im Laufe der Zeit mehrfach übermalt worden waren, seit einiger Zeit aber unter erheblichen Kostenaufwand restauriert werden. Wer sich fragt, was die arabischen Zeichen auf den riesigen runden Holzschildern bedeuten: sie verkünden die heiligsten Namen des Islam.

Nicht ohne Grund zählt die Hagia Sofia zum UNESCO-Weltkulturerbe. In einzigartiger Form verbindet sie spätantike Bauweise, verschiedene Glaubensrichtungen und Kunstfertigkeiten zu einem einzigen beeindruckenden Denkmal menschlichen Schaffens und göttlichen Glaubens. Trotz ihrer riesenhaften Ausmaße wirkt sie aufgrund ihrer Bauweise und Lichtführung im Inneren doch immer leicht und luftig. Die 56 Meter hohe Kuppel ruht auf nur vier Pfeilern und gilt auch unter heutigen Fachleuten als einzigartig gewagt und kunstfertig.