Istanbul und türkische Gastfreundschaft

Eine Woche Istanbul mit Hin- und Rückflug war gebucht. Nach unserer Ankunft checkten wir im Hotel Hali ein, welches in dem Viertel Taxim des auf der im Norden der europäischen Seite gelegenen Stadtteils Beyoglu gelegen ist. Von unseren Zimmern aus hatten wir Ausblick auf diverse Moscheen und den Bosporus. Vor allem im Abendlicht, bei Sonnenuntergang, zeigte sich die Stadt von seiner schönsten Seite. Bei Tag herrschte reges Treiben auf den Straßen. Viele Menschen liefen durch die Einkaufsgassen und den Basar. Gleich zu Beginn wurden wir vor Taschendieben gewarnt, die vorrangig auf dem Basar nach potentiellen Opfern Ausschau hielten. Doch während unseres gesamten Aufenthaltes fiel uns nichts dergleichen auf. Fast gemütlich konnten wir an den vielen Ständen vorbei laufen, oft begleitet von Händlern, die gegenseitig, sich mit Niedrigpreisen überbietend, um unsere Aufmerksamkeit buhlten. Gewürze, türkischer Honig, landestypische Kleidung und imitierte Markenware, Geschirr aus Porzellan und vieles weitere mehr wurde uns bei heißem Türkischen oder Apfeltee feilgeboten. Nicht wenige Händler waren des Deutschen mächtig; mit manchem kamen wir dabei gut ins Gespräch.



Neben zahlreichen Teppichhäusern finden sich in Istanbul Köfterien und Sheisha-Lounges. Köfterien sind vergleichbar mit hiesigen Imbissstuben. Hier wird unter anderem die türkische Landesspezialität Köfte (eine Art Frikadelle) zu Weißbrot serviert. Weißbrot gibt es in der Türkei in jeder erdenklichen Art und Weise. Kleine Buden am Straßenrand oder Strand bieten neben heißen Maiskolben auch Weißbrot-Ringe mit Sesam, Mohn, Schafskäse, Hackfleisch oder anderem (Inhalt) an.

Raucher sind quasi überall gern gesehene Gäste. Wo man sitzt, trinkt und isst, wird beim Auspacken der Zigarette dieselbe von einem Angestellten des Restaurants angezündet. Ein Erlebnis ist jedoch der aromatische Rauch aus einer Sheisha, die traditionell auf weichen Kissen sitzend genossen wird. In einer der vielen Sheisha-Lounges konnten wir in der Gruppe entspannen, und den orientalischen Flair bei türkischer Musik genießen.

Türkische und europäische Musik hörten wir an einem Abend in einer allgemein zugänglichen Diskothek mitten in Taxim. Dort kamen Urlauber und Einheimische zusammen und tanzten bis tief in die Nacht; neue Bekanntschaften waren dabei nicht ausgeschlossen. Generell hat Istanbul ein aktives Nachtleben. Bis 24 Uhr haben die Geschäfte geöffnet, darüber hinaus kann man (außer freitags, der islamische Ruhetag) in diversen Straßencafés sitzen und den dort umher schlendernden Straßenmusikern zuhören. Als wir dort waren, fand gerade ein Straßenfest mit Bauchtänzerinnen, Gauklern und Sängern, die ihr Können jedem vorführten, der dafür zahlen mochte, statt.

Jeder Morgen begann mit einem aus Lautsprechern übertragenen Betgesang aus der Sultan-Ahmet-Moschee im Stadtteil Eminönü. Diese Moschee, auch „Blaue Moschee“ genannt, besuchten wir eines Nachmittages während eines Gebets. Wir wurden dazu aufgefordert, Schuhe, Jacken und Taschen am Eingang abzulegen; die Frauen wurden darüber hinaus angehalten, Kopftücher zu tragen, die ihr Haar verdeckten, was allerdings nicht verpflichtend war. Die vielen Ornamente und Musterungen überall in der Moschee, die Teppiche und der Platz innerhalb dieser, wirkten berauschend auf die Sinne. Wir waren versucht, uns ebenfalls hinzusetzen und den türkischen Worten und Gesängen der Gläubigen zuzuhören. Dabei mussten Frauen und Männer getrennt voneinander bleiben.

Manch Einheimischer war gerne bereit, uns für kleines Geld auf gebrochenem Deutsch oder Englisch die Geschichte des Landes und der Gebäude zu erklären. So lernten wir auch den Topkapi-Palast und diverse Museen (z.B. das Türkisch-Islamische Museum) in Begleitung näher kennen.

Die Gastfreundschaft dieses Landes kennt auch auf der asiatischen Seite keine Grenze. Hier gelangten wir an einem Tag über eine kleine, sonnenreiche Schiffstour auf dem Bosporus zu den verträumten Prinzen-Inseln, wo wir am Strand badeten und bei feinen Cocktails und heiterer Popmusik auf den Terrassen lagen oder tanzten.

Den letzten Abend verbrachten wir, nach einem entspannenden Besuch im türkischen Hamam, wo wir von oben bis unten eingeseift und massiert wurden, in einer dem Hotel nahe gelegenen Karaoke-Bar.

Wir verabschiedeten uns bei einem nächtlichen Spaziergang von dieser faszinierenden, durch Gegensätzlichkeiten geprägten Stadt, und lernten dabei auch die weniger einladend wirkenden Viertel kennen, in denen Katzen wie hierzulande Tauben auf den Straßen und Türken rauchend und Karten spielend vor ihren Häusern saßen. Überhaupt scheint sich das Leben in der Türkei immer außerhalb der eigenen vier Wände abzuspielen.

So viel Lebens- und Farbenfreude vermissten wir, sobald wir wieder deutschen Boden unter den Füßen hatten. Gegen Istanbuls lauter Betriebsamkeit wirkten deutsche Straßen und Gassen fast wie ausgestorben. Zurück bleibt die Erinnerung an das Land aus 1001 Nacht: Wir sind uns einig, Istanbul, wir kommen gerne jederzeit wieder!