Musik in der Türkei
DVor einigen Jahren erregte ein türkischer Musiker auch in Deutschland Aufmerksamkeit und lieferte uns unsere alljährliche Sommerhymne: Tarkan mit dem Hit "Simarik". Zumindest bei den meisten Deutschen ist dieser Song schon längst wieder aus dem Gedächtnis verschwunden - der Künstler aber ist nach wie vor international erfolgreich und ein Superstar in der Türkei. Wer glaubt, mit schnöder Popmusik erschöpft sich die musikalische Vielfalt der Türkei, befindet sich aber auf dem Holzweg: in diesem Land, in dem seit Jahrtausenden immer wieder Kulturen miteinander verschmelzen, finden sich in allen Musikstilen und -arten immer wieder Einflüsse vom Balkan und aus den arabischen Staaten, aus dem Iran, Indien und Griechenland. So multikulturell und vielfältig die Menschen sind, so bunt und faszinierend ist auch ihre musikalische Welt. Deshalb findet man hier auch alle möglichen Stile, angefangen von Pop und Rock über Punk bis hin zum Jazz, Funk und HipHop, nie ein Plagiat amerikanischer Musiker, immer individuell türkisch.
Aber damit erschöpft sich der musikalische Reichtum der Türkei noch lange nicht. Hier gibt es auch Geschöpfe wie den allseits verehrten Zeki Müren, von dem bis zu seinem Tod 1996 niemand so genau wusste, ob er nun Mann oder Frau oder einfach nur ein Mann mit einer Vorliebe für Make-up und Frauenkleider war. Bis heute wird er jedenfalls geliebt, verehrt und sein Haus in Bodrum mit dem pinkfarbenen Cadillac ist nach wie vor Pilgerstätte der nach wie vor reichlich vorhandenen Fans. Hier gibt es aber auch Musikerinnen wie Sezen Aksu, die übrigens Tarkans Superhit Simarik schrieb und im Übrigen für ihre künstlerische Vielseitigkeit ebenso bekannt ist wie für ihre Einmischung in politische Themen.
Eine besondere Spielart türkischer Musik ist die Arabeske, das wehmütig-orientalische Gegenstück zum westlich orientierten Türkpop, voll von Herz- und Weltenschmerz. Ursprünglich verstand man unter der Bezeichnung Arabeske übrigens arabische Klänge, die typische Bautanzmusik, die im Laufe der Jahre jedoch mit Popanklängen, R'n'B und anderen Musikstilen verschmolz. Erwähnenswert ist auch der eher aus dem Iran stammende Trend, traditionelle Sufi-Musik und alte Sufi-Gedichte zu verarbeiten, was in konservativen Kreisen der islamischen Welt nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt. Auch auf Romamusik und kurdische Klänge trifft man zuweilen in einer wilden Melange, die man zu Recht als Weltmusik bezeichnen könnte.
